mit der Bahn lebendig ankommen

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Gespeichert von lichtan am 25. Juli 2010 - 17:35
Aus dem Bahnsteiglautsprecher tönt "Der Zug von Hamburg Altona über Prag nach Villach wurde wegen Schaden am Triebwagen Ersatzlos gestrichen." Wir, zwei Kleinkinder im Alter von 1/2 und 2 Jahren, unsere Tochter und Oma (meine Frau) und Opa (ich) stehen auf dem Bahnsteig 1 des Hauptbahnhofes in Dresden und trauen unseren Ohren nicht. Nach ein Paar Minuten wird die Durchsage wiederholt. Wir haben doch keinen Schnee und keine Hitze, es sind kühle 19 Grad. Die Lok ist wieder kaputt, dass erleben wir nun schon das zweite mal auf dieser Strecke. Das erste Mal wurde eine Ersatz.-Lokomotive vor gehangen. Das war wohl die Letzte, die für diese Strecke zur Verfügung stand. Was jetzt? Eine Verschiebung der Reise, auf einen später am Tag fahrenden Zug, kommt nicht in Frage. Wir haben nur für diesen Zug Fahrkarten und Plätze reserviert. Schön wäre es, wenn man jetzt einfach die 100 km schnell wieder nach Hause fahren, die Kinder ins Bett legen und es morgen wieder versuchen könnte. Nein, unsere Fahrkarten sind wertlos, wir brauchen Neue mit Sitzplatz Reservierung für den nächsten Tag. Also müssen wir mit zwei Auto-Kindersitzen einem Doppel-Kinderwagen und drei Taschen zum nächsten Schalter. Wie auf dem Arbeitsamt (neuer Kunden Service der Bahn), ziehen wir eine Marke (1028) und stellen uns dann in der Reihe ganz hinten an. So recht enttäuscht oder vielleicht wütend sind aber scheinbar nur wir und eine andere Frau. Die meisten Gäste wirken eher apathisch. Das sind wohl alles Bahn-Profis, die sich keinen Illusionen mehr hingeben, nach dem Motto: "Wichtig ist: lebendig ankommen." Wir bekommen von eine Gruppe junger Leute, die offenbar aufgegeben haben, eine Marke angeboten, die uns zehn Nummern weiter nach vorn bringt. Unsere Laune bessert sich schlagartig. Als sich dann auch noch die Dame vom Urlaubs-Reiseschalter ganz links, freiwillig um uns kümmert, bin ich fürs Erste versöhnt. Die Frage nach einer Entschädigung für doppelte Anreise und Parkgebühren (selige Grausamkeit lasse ich weg) etc. kann aber auch sie mir nicht beantworten. Sie verweist mich auf den "Service Point" an Gleis 14. Der Tag ist eh im Ars... Also entschließe ich mich auch noch dorthin zu gehen. Angekommen am Gleis 14 stelle ich mich wieder an, diesmal ohne Marke. Die Schlange ist diesmal auch kürzer. Als ich hier meine Frage nach Entschädigung wiederhole, bekomme ich eine Adresse, an die ich mich schriftlich mit Schilderung der Umstände und Kopien der Fahrkarten und der Auslagen wenden soll. Es kommt wohl eher selten zu solchen Fällen, so dass eine schnelle, unbürokratische, Kunden-orientierte Lösung nicht wirklich gebraucht wird. Am nächsten Tag dann ein neuer Versuch. Wieder geht es die 100 km nach Dresden, wieder mit Sack und Pack zum Bahnsteig 1. Diesmal tönt es aus dem Lautsprecher "Der Zug von Hamburg Altona über Prag nach Villach verspätet sich aus betrieblichen Gründen um etwa 5 - 10 Minuten." Froh und erleichtert ob der Nachricht machen wir uns auf den Weg zu Abschnitt D und bereiten uns auf die Einfahrt des Zuges vor. Dass sich dann ausgerechnet die Tür des Kleinkinderabteils nicht öffnen lässt, kann mich nicht mehr wirklich schocken. Das ganze Gepäck wuchte ich durch die Tür des Nachbarwagons dann durch die sich ständig selbständig schließenden Türen zwischen den Wagons zu unserem Abteil. Ist die Bahn denn eigentlich schon an der Börse? Wenn nicht, mit flexiblen Kunden, Bahn-Profis wie Du und ich kann sie es auf jeden Fall schaffen. Wer Ähnliches erlebt hat und sich traut ohne Anwalt Schadenersatz geltend zu machen, kann sich schriftlich an folgende Adresse wenden: DB Fernverkehr AG Kundendialog Postfach 100613 96058 Bamberg Informationen zu den Fahrgastrechten findet man außerdem unter: https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrechte/uebersicht.shtml
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